Zum Jahresbeginn befassen wir uns nochmal mit den IT-Trends für 2019. In Teil 1 des Blogbeitrags wurden Gartner und PAC verglichen. Im zweiten Teil werfen wir nun einen Blick auf die Vorhersagen von ISG, IDC, Forrester und Crisp Research.

ISG sieht KI, Blockchain und Edge als Trend in 2019

Einigkeit hinsichtlich Trends für 2019 herrscht bisher bei den Themen KI, Blockchain und Edge. Die Entwicklung von KI wird stark geprägt sein von der Entwicklung bei Machine Learning. Hierbei spielen Chatbots in der Kundenkommunikation eine große Rolle.

Darüber hinaus sieht ISG – wie PAC auch - die Public Cloud ganz weit oben auf der Trendliste. Unternehmen prüfen und bewerten welche Anwendungen mit welchem Aufwand in die Public Cloud transferiert werden können. Die Public Cloud ist mittlerweile kein Hype-Thema mehr, sondern im Alltag angekommen. ISG rechnet mit einem Wachstum von 30% in 2019.

In Immersive Reality oder Immersive Experience sehen ISG und Gartner einen Trend der in 2019 immer stärker an Fahrt aufnimmt. Augmented Reality, Mixed Reality und Virtual Reality führen zu neuen immersiven Erlebnissen und dringen in die Unternehmenswelt ein. Die Interaktion mit der digitalen Welt und die Wahrnehmung der digitalen Welt wird sich stark verändern. Dabei spielt der Fortschritt in Technologien wie Emotionserkennung basierend auf Gesichtsausdrücken oder auch Echtzeitsynchronisation eine entscheidende Rolle. Anschub erhalten diese durch  Edge Computing/IoT und die 5G-Technologie.

ISG‘s top ten IT Trends 2019

  1. KI-gestützte Automatisierung
  2. Public Cloud-Transformation
  3. Business Technology Plattforms
  4. Immersive Reality
  5. Blockchain
  6. Future Workplace
  7. Internet of Things & 5G
  8. Cyber Security
  9. Open Source
  10. Edge / Fog Computing

Die Digitale Transformation ist der wichtigste Treiber für IT-Investitionen

IDC geht davon aus, dass bis 2022 60% der globalen Wertschöpfung digitalisiert ist, daher müssen sich Unternehmen darauf konzentrieren jetzt in ihre IT-Umgebungen zu investieren, um die Basis für die Digitale Transformation zu schaffen und den Anschluss nicht zu verpassen. Dabei entscheiden für IDC auch Cloud Computing, Edge Computing und KI über den Erfolg der Unternehmen. Künstliche Intelligenz entwickelt sich in einem unfassbaren Tempo weiter und wird laut IDC auch 2019 das vorherrschende Thema sein. KI dringt in immer mehr Prozesse, Applikationen, Benutzeroberflächen und Unternehmensbereiche ein.

Millionen neue Anwendungen auf Basis neuer Tools und mit agilen Methoden

Den Trend Low-Code Entwicklungen, der auch von PAC genannt wird, unterlegt IDC mit beeindruckenden Zahlen. IDC sieht voraus, dass bis 2023 auf Basis neuer Tools und Plattformen, von mehr Entwicklern und durch agile Methoden und Wiederverwendung von Code 500 Millionen neue Anwendungen entstehen werden – das sind so viele wie in den vergangenen 40 Jahren zusammen.

Die Nachfrage nach Anwendungsentwicklern steigt in den nächsten Jahren rasant an. Diese Nachfrage kann nur durch Low-Code oder No-Code Plattformen gestillt werden, da diese neuen Entwicklungsumgebungen kein tiefgreifendes Programmierwissen mehr voraussetzen, sondern anhand visueller und grafischer Modellierungsmethoden neue Software erstellt werden kann ohne neuen Code programmieren zu müssen. Im Zusammenspiel mit agilen Methoden und der wachsenden Zahl an Low-Code-Entwicklern entstehen so Millionen neue Anwendungen.

Die Kerntechnologien von Forrester für 2019 sind: KI, Blockchain, RPA, Digital Twin und Quantum Computing

Keine Überraschung ist, dass Forrester auch KI und Blockchain als Trend für 2019 nennt. Bei der Modernisierung der IT-Umgebungen, was laut Forrester zwingend notwendig ist, um den Wandel zum digitalen Business zu meistern, können KI oder Blockchain eine entscheidende Rolle spielen - müssen aber nicht. Forrester empfiehlt, dass man das Geschäftsproblem in den Mittelpunkt stellen sollte, um dann genau zu analysieren welcher Technologiemix dieses Problem am besten löst und diese dann einsetzt. Allerdings müssen neue Technologien nicht immer die beste Lösung für ein bestehendes Problem sein.

Wie auch Gartner nennt Forrester Quantum Computing als Zukunfts-Technologie. Allerdings sieht Forrester analog zu Gartner Quantum Computing noch in der Frühphase der Kommerzialisierung, so dass es jetzt erst mal darauf ankommt, das Thema zu verstehen und sich damit zu befassen, aber konkrete Projekte werden noch nicht realisiert werden. (Sagten wir weiter oben "rasante Entwicklung"? Zwischen Verfassen dieses Artikels und der Veröffentlichung kam die Ankündigung des ersten kommerziellen Quanten-Computers von IBM. Die Marktreife wird dennoch noch in Frage gestellt.)

Die Top 10 IT-Trends 2019 von Forrester

  1. Agile Organisation und Methoden
  2. Werkzeuge zur besseren Kundenorientierung (Design Thinking, Customer Journey Mapping, Voice of the Customer, Ethnographic Research)
  3. Back-End Systeme durch die Brille des Endkunden überarbeiten
  4. Datensicherheit & Datenschutz
  5. Artificial Intelligence/ Machine Learning
  6. Digitale Plattformen (für IoT, Big Data und neue Geschäftsmodelle)
  7. Robotic Process Automation
  8. Quantum Computing
  9. Digital Twin
  10. Venture-Capital-Like Technologie-Strategie

Crisp Research nennt keine Top Ten an Trends, sondern vier Trend-Bewegungen: Daten Verfügbarkeit, Digital Strategie, Menschliche Interaktion und Technologie.

Crisp Research geht für 2019 etwas anders an die Technologie-Trends heran. Wie die meisten Analystenhäuser hat Crisp Research in den Vorjahren immer eine Liste der Top Ten Trends veröffentlicht. In diesem Jahr wurden jedoch vier Trend-Bewegungen benannt, die durch jeweils fünf Einzeltrends getrieben werden.

Die Herangehensweise erinnert stark an die von Gartner, mit dem Unterschied, dass Gartner mit Intelligent, Digital und Mesh drei übergeordnete Themen nennt, in Summe aber immer noch bei zehn Einzeltrends bleibt. Im Unterschied dazu gibt Crisp Research mit Datenverfügbarkeit, Digital-Strategie, Menschliche Interaktion und Technologie vier Trend-Bewegungen mit jeweils fünf Einzeltrends an und liegt somit bei zwanzig Einzeltrends .

Der erste Trend befasst sich mit der Datenverfügbarkeit

Unter der Trend-Bewegung Datenverfügbarkeit versteht Crisp Research alles rund um das Verstehen der Daten und deren Ableitung von Empfehlungen, Konnektivitätsoptionen (5G, Low-Power-Wide-Area-Netze …), Preisverfall auf der Edge (immer mehr Daten zu immer kleineren Preisen), operative Reife von Cloud-Native-Diensten und die aktive Diskussion von sekundärer Datennutzung.

90 Prozent deutscher Unternehmen haben bis Mitte 2019 eine Digitalstrategie

Die Erstellung einer Digitalstrategie ist für 2019 ein Kernthema in deutschen Unternehmen. Umgesetzt wird diese Digitalstrategie immer häufiger durch das Einsetzen eines CDO (Chief Digital Officer) mit Umsatzverantwortung. Dabei bringen digitale Produkte steigende Umsätze, sind aber oft noch nicht profitabel. Um die Digitalstrategie umzusetzen, benötigt es digitale Ökosysteme.

Gestik und Sprache werden den Trend Menschliche Interaktion prägen

Beim Thema Menschliche Interaktion sieht Crisp Research unwahrscheinlich große Veränderungen auf uns zukommen. Vor allem hinsichtlich der Steuerung von Produkten mit Gesten und Sprache. Selbstlernend, automatisiert und intelligent sind dabei Schlagworte, die prägend sein werden. Ein Beispiel, bei dem Deutschland in 2019 deutlich nachlegen wird, ist autonomes Fahren. Außerdem spielt Sicherheit & Datenschutz der Nutzer bei der Trend-Bewegung Menschliche Interaktion eine wichtige Rolle.

Cloud und Low-Code als Technologietrends

Bei Hardware und Software wird Cloud Computing in den Mittelpunkt rücken. Außerdem sieht Crisp Research – wie IDC und PAC - Low-Code und No-Code auf dem Vormarsch. Hochverfügbarkeitskonzepte von Hardware und Software werden immer komplexer und komplizierter. Daher wird es in 2019 die ersten Chief Reliability Officers (CRO) geben.

Im Großen und Ganzen sind die genannten Trends aller betrachteten Analystenhäuser sehr ähnlich

Die durchweg von allen Analysten genannten Trends sind Künstliche Intelligenz, Cloud Computing, Edge Computing und Privacy und Sicherheit. Blockchain hingegen wird von IDC und Crisp Research nicht explizit genannt.

Unabhängig von den technologischen Trends wird von den meisten Analysten auch die Skill-Verfügbarkeit beziehungsweise der Fachkräftemangel hervorgehoben. Die Talente und Mitarbeiter mit den Skills für moderne Technologien sind rar gesät und es ist daher unabdingbar, dass Unternehmen eine Strategie für die Mitarbeiterbildung und -bindung festlegen.

Betrachtet man die Trend-Vorhersagen der Analysten, fällt einem auf, dass es immer schwieriger wird, Einzeltrends zu benennen. Daher sehen wir bei Gartner und Crisp Research auch einen unterschiedlichen Ansatz der Trend-Vorhersage. Es werden Themen oder Trend-Bewegungen genannt und unter diesen finden sich dann Einzeltrends. Entscheidend für den Erfolg von Unternehmen wird sein, wie die Einzeltrends zusammengefügt werden, beziehungsweise wie das Zusammenspiel umgesetzt wird.

Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die Trends in 2019 weiterentwickeln werden und ob vielleicht doch ein Trend auftauchen wird, denn niemand auf dem Radar hatte.

Quellen

https://www.cio.de/a/die-top-it-trends-2019,3592197

https://www.cio.de/a/die-it-trends-bis-2024-von-idc,3592203

https://www.cio.de/a/die-it-trends-2019-fuer-cios-von-forrester,3592336

https://www.youtube.com/user/crispresearchvideo/featured

https://www.crisp-research.com/crisp-technology-trends-2019 

https://www.cio.de/a/4-grosse-it-trends-bestimmen-2019,3592542 

Simone Betz

Über den Autor

Simone Betz ist Senior Analyst bei divia. Nach dem Wirtschaftsinformatikstudium war Simone Betz knapp 16 Jahre für die IBM Deutschland in unterschiedlichen Funktionen tätig, wobei der Schwerpunkt auf Finanz und Marketing lag. Im Anschluss daran arbeitete Simone selbstständig als Marketing-Beraterin für IT-Anbieter und führte detaillierte Marktanalysen sowie Marktpositionierungen und -segmentierungen durch.