KI, Blockchain, Cloud – diese IT Trends verfolgen uns schon seit einigen Jahren. Was erwartet die IT-Branche in 2019? Wie entwickeln sich die bekannten Trends weiter? Welche neuen Themen bringt das Jahr 2019? Genau mit diesen Fragen beschäftigen sich Analystenhäuser jedes Jahr aus Neue und geben dann Ihre Prognosen dazu ab. Gartner legt dabei traditionell immer vor und versucht schon im Oktober die Trends für das nächste Jahr, beziehungsweise die nächsten fünf Jahre vorherzusagen. PAC, IDC, Forrester, ISG und Crisp Research legen dann bis spätestens Januar nach.

Gartner klassifiziert die Trends in Intelligent, Digital und Mesh ein

Seit drei Jahren kategorisiert Gartner die Trends nach den drei Themen Intelligent, Digital und Mesh. Beim Thema Intelligent dreht sich alles um Künstliche Intelligenz (KI) und wie KI in quasi jede Technologie eindringt. Im Vergleich zu den Vorjahrestrends von Gartner in diesem Bereich gibt es für 2019 keine bahnbrechenden Veränderungen. Es geht vielmehr um eine Weiterführung, beziehungsweise Weiterentwicklung von KI. Jede Anwendung, jeder Service und jedes Internet-of-Things-(IoT)-Objekt wird KI in irgendeiner Form beinhalten. Hierbei spielt Automatisierung sowohl in Anwendungen und Dingen als auch bei Analysen eine immer größere Rolle.

Top 10 Strategic Technology Trends 2019

Beim Thema Digital geht es um die Verschmelzung von digitaler und physischer Welt. Hier beherrschen immer noch Digital Twin und Immersive Experience das Bild. Außerdem spielt Edge Computing eine wichtige Rolle. Der Fokus auf Edge Computing wird durch die IoT-Entwicklung getrieben. Im Grunde werden Rechenleistung und Intelligenz in Richtung Rand (Edge), also zu den Quellen und Informationen wandern. Dabei ist Edge Computing kein konkurrierendes Modell zur Cloud, sondern ergänzt das Konzept der Cloud.

Unter Mesh versteht Gartner alles rund um die Nutzung von Verbindungen zwischen Menschen und Unternehmen, aber auch Geräten, Inhalten und Diensten, um Geschäftsergebnisse zu erzielen. Dabei ist Blockchain weiterhin das prägende Thema. Der derzeitige Hype um Blockchain ist riesig und lässt nicht nach. Laut einer Studie von PwC beschäftigen sich immerhin 84% der Führungskräfte aktiv damit. Als führende Branche wird mit großem Abstand die Finanzbranche gesehen, wobei auch der Handel und die Logistik das Potenzial mittlerweile erkennen und die Blockchain zur Rückverfolgung und Identifizierung von Produkten nutzen.

Neu in 2019 im Bereich Mesh ist der Trend Smart Spaces. Hierbei handelt es sich um eine physikalische oder digitale Umgebung, in der Menschen aber auch Technologiesysteme offen, vernetzt, koordiniert und intelligent interagieren. Ziel ist es, intelligente Umgebungen zu schaffen, indem verschiedene Technologien und Trends in integrierter Weise zusammengebracht werden, wie zum Beispiel in Smart Cities oder Connected Factories.

Digital Ethics und Privacy werden zu kritischen Elementen jeder Technologieentscheidung

Gartner hat für 2019 zwei Trends ausgemacht, die sich über alle drei Themengebiete spannen. Diese überlagernden Trends sind Privacy & Ethics und Quantum Computing. Vor allem Privacy & Ethics stellt kein IT-Trendthema im klassischen Sinne dar und ist daher meines Erachtens von besonderem Interesse. David Clearly von Gartner stellt die Frage: "Just because we can gather all this information about people, should we?" Nur, weil wir all die Informationen über Menschen sammeln können, sollten wir das auch wirklich tun?

Verbraucher wissen um den Wert ihrer persönlichen Informationen und haben ihr Bewusstsein dafür geschärft. Sie beschäftigen sich intensiv damit und sind zunehmend beunruhigt, wie ihre persönlichen Informationen von öffentlichen und privaten Stellen verwendet werden. Privacy & Ethics werden daher zu kritischen Elementen jeder Technologieentscheidung. Die Fragestellung von Unternehmen sollte nicht mehr lauten: „Arbeiten wir rechtssicher?“, sondern vielmehr: „Tun wir das Richtige?“

Das zweite neue, überlagernde Thema Quantum Computing befindet sich technologisch noch in der Entwicklungsphase. Bei Quantum Computing handelt es sich um exponentiell skalierbare und hoch parallele Rechenmodelle. Da es sich noch in der Entwicklungsphase befindet wird 2019 kein Durchbruch stattfinden, aber Unternehmen sollten sich Wissen und Verständnis dafür aufbauen.

Die Trends von PAC zeigen Ähnlichkeiten und Abweichungen im Vergleich mit Gartner

PAC IT Trends 2019

  1. Business Innovation Architecture
  2. Virtuelle Datenplattformen
  3. Multi-Clouds und Migration in die Public Cloud
  4. Künstliche Intelligenz
  5. Robotic Process Automation
  6. IoT Security & ICS Security (Industrial Control Systems)
  7. Plattform-basierende Softwareentwicklung und Low-Code Development
  8. Open, Technology-Based Ecosystems
  9. Edge Computing
  10. Distributed Ledger Technology

Schaut man sich die Trends von PAC an, findet man einige Überschneidungen zu Gartner. Auch PAC stuft die Trends KI, Edge Computing, Blockchain und intelligente Ökosysteme für 2019 als wichtig ein. Mit Robotic Process Automation (RPA) nennt PAC einen Trend, der auch dem großen Feld von KI zugeordnet werden kann. Bei RPA geht es prinzipiell darum, Prozesse mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz zu automatisieren.

Darüber hinaus sieht PAC Business Innovation Architecture – also moderne, intelligente IT-Architekturen – als einen bedeutenden Trend an. Die IT-Architektur sollte nach Auffassung von PAC agil und flexibel sein und Daten, Technologien, Prozesse, Services und Ökosysteme integrieren.

Weitere Trends sind Virtuelle Datenplattformen, Public Cloud, IoT Security und plattform-basierende Softwareentwicklung

Ein weiteres wichtiges Thema für PAC ist der Aufbau einer virtuellen Datenplattform, damit die digitale Transformation erfolgreich ist. Ziel ist es, die gewaltigen Datenmengen aus verschiedenen Quellen – sowohl intern als auch extern – auf einer Plattform zu bündeln. Mit dieser Plattform ist eine flexible Nutzung der Daten zur Optimierung bestehender Prozesse, sowohl für Datenanalysen als auch zur Unterstützung neuer Geschäftsprozesse und -lösungen, möglich.

Im Gegensatz zu Gartner sieht PAC in der Public Cloud einen Trend für 2019. Dies liegt an den stark gestiegenen Migrationsraten hin zur Public Cloud. Allerdings handelt es sich dabei meist um hybride Cloud- und vermehrt auch Multi-Cloud-Lösungen.

PAC sieht für Unternehmen darüber hinaus Handlungsbedarf beim Thema IoT Security. Durch Öffnung von Datenpools bei neuen Geschäftsmodellen (Connected Car, Smart Grid etc) entsteht ein erhöhtes Sicherheitsrisiko, das eine einheitliche IoT-Security-Strategie erfordert.

Als letzten, von Gartners Einschätzungen abweichenden Trend wird laut PAC die Nachfrage nach plattform-basierender Softwareentwicklung in 2019 weiter ansteigen. Treiber hierfür sind die digitalen Transformationsprojekte in allen Branchen. Zusätzlich wird durch den Fachkräftemangel bei Softwareentwicklern der Einsatz von Low-Code-Plattformen steigen.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass es zwischen Gartner und PAC keine größeren Abweichungen bei den Trend-Vorhersagen gibt. Beide sehen KI, Blockchain, Edge Computing und intelligente Ökosysteme für 2019 als bedeutend an. Gartner hat den Blick vielleicht noch etwas mehr in die Zukunft gerichtet als PAC, wohingegen PAC dafür manche Trends etwas konkreter benennt, siehe Robotic Process Automation und Virtuelle Datenplattformen.

Der Trend, der völlig aus der Reihe fällt, da es sich um keinen klassischen IT-Trend handelt, ist von Gartner das Thema Privacy & Ethics. Auch wenn durch die Diskussion rund um die DSGVO der Datenschutz in aller Munde ist, hat das Thema als IT-Trend bisher noch niemand so in den Fokus gerückt.

Sind wir mal ehrlich, KI, Cloud oder Blockchain sind jetzt keine überraschenden Trends, dennoch haben sie sich im letzten Jahr deutlich weiterentwickelt. Was in Zukunft allerdings spannend zu beobachten sein wird, ist, wie die Kombination von Einzeltrends wie KI zusammen mit IoT oder Edge Computing neue Geschäftsmodelle und – chancen erzeugen kann.

Welche Trends IDC, Forrester, ISG und Crisp Research für 2019 sehen, wird in einem der nächsten Blogbeiträge zu lesen sein. 

 

Quellen:

Simone Betz

Über den Autor

Simone Betz ist Senior Analyst bei divia. Nach dem Wirtschaftsinformatikstudium war Simone Betz knapp 16 Jahre für die IBM Deutschland in unterschiedlichen Funktionen tätig, wobei der Schwerpunkt auf Finanz und Marketing lag. Im Anschluss daran arbeitete Simone selbstständig als Marketing-Beraterin für IT-Anbieter und führte detaillierte Marktanalysen sowie Marktpositionierungen und -segmentierungen durch.