Es war der Paukenschlag der letzten Woche: Facebook kauft Whatsapp. Für Digital Consultants kein sehr großer Aufreger – wenn auch mehr oder weniger überraschend – kommen solche Käufe immer wieder vor – ob Instagram, Motorola oder Youtube. Für den Otto-Normal-User kann durch so einen Deal allerdings eine Welt zusammenzubrechen. In Massen rauscht es durch die Newsstreams und Timelines: “Hilfe jetzt liest Facebook auch noch bei Whatsapp mit”.

Sichere Daten sind Ansichtssache

Ich musste mir des öfteren ein Lachen verkneifen, denn kaum eine andere App hatte in den letzten Monaten bzw. Jahren mit so vielen Sicherheitslücken und Hackerangriffen zu kämpfen wie Whatsapp. Es ist also schon immer alles andere als der Inbegriff der Datensicherheit. Das hat Keinen gestört, bis es nun von Facebook gekauft wurde. Die Nutzer scheinen der App zu vertrauen, nicht umsonst hat sie sich in 3 Jahren zum Synonym für mobiles Messaging entwickelt. 430 Mio. Nutzer Weltweit, 30 Millionen davon in Deutschland - 50 Milliarden Nachrichten pro Tag(!).

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Trotz großer Konkurrenz auf dem Messaging Markt hat es Whatsapp also geschafft Marktführer zu werden und alle anderen Messenger in ihre Nischen zu drängen.

Und dann kam Facebook …

Letzten Mittwoch wurde publik, dass Facebook Whatsapp nun gekauft hat. Und der Aufschrei beginnt. Wie schon 2012, beim Instagram Deal wollen nun alle weg von der App und das Netz ist voll von Ratschlägen, welche App man denn nun in Zukunft am Besten verwendet. Als Early Adopter kenne auch ich die Alternativ-Apps, die meisten davon sind sogar besser, schicker, schneller oder funktionaler als der Marktführer – aber Ihnen fehlt ein entscheidender Faktor: die Nutzer!

Was bringt mir der beste Messenger, wenn niemand außer mir ihn benutzt? Nur wenn die Menschen, mit denen ich kommunizieren will, dieselbe App nutzen, lohnt sie sich für mich. Aber wenn die Alternative nur diejenigen nutzen, die ich auch in (fast) jedem anderen Netzwerk schon als Kontakt habe (also andere Early Adopter), ist es keine Alternative, sondern nur ein Weg von vielen, über die ich die gleichen 20 Leute erreiche. Die anderen 200 erreiche ich nach dem Whatsapp ausstieg aber garnichtmehr, da sie eben nur Whatsapp haben.

Alternativlos?

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Gibt es also doch keine Alternative zu Whatsapp? Doch, natürlich gibt es die. Und in den Foren und Kommentarfunktionen scheint eine Art Wettbewerb entbrannt, wer die sicherste, absurdeste oder unbekannteste Alternative nennen kann.Threema war, zumindest in Deutschland, der Sieger des Deals. Der Medienrummel um die Schweizer App war jedenfalls enorm. Auch neue Downloadrekorde wurden verzeichnet. Einsetzbar im Sinne von “ich kann Whatsapp nun löschen, weil alle meine Kontakte bei Threema sind”, ist es jedoch noch lange nicht. Außerdem denke ich, dass das Thema Sicherheit und verschlüsselte Datenübertragung bei den wenigsten eine Rolle spielt, sonst hätten sie bisher auch nicht Whatsapp genutzt.

Der KiK Messenger hat sich vor allem bei Instagram-Nutzern großer Beliebtheit erfreut, da man über einen Nickname Kontakte hinzufügen kann und keine Telefonnummer preisgeben muss. Auch Kakao Talk ist eine der vielversprechenderen Alternative konnte sich aber auch nicht durchsetzen. Pingchat war wohl damals™ (2011/12) der größte Konkurrent, konnte aber dann auch nicht mithalten und auch die Umbenennung in “Touch” half nicht gegen das Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit – ab 2014 bietet die Firma unter dem Namen Prepaid Handytarife an. Auch viele andere Namen wie Telegram oder die mit Lionel Messi werbenden WeChat machen die Runde.

Und dann gibt es eben noch die Klassiker, echte Alternativen weil sie auch über große Nutzerscharen verfügen: Skype - gehört zu Microsoft und arbeitet übrigens auch mit Facebook zusammen. Den Facebook-Messenger - no comment – und Google Talk/Hangouts - zwar nicht Facebook, aber eben der andre große Datensammler.

Und nun?

Wer also Wert auf Datenschutz legt, hat es schwer, eine Alternative zu Facebook bzw. Whatsapp zu finden. Ich empfehle daher, einfach mal abzuwarten, was da auf uns zukommen wird an neuen Kommunikationsmöglichkeiten und sich nicht dieser jährlichen Massenhysterie anzuschließen. Oder man ist eben so überzeugt und macht bei seinen Kontakten Werbung für den neuen Dienst den man benutzt, bis alle ihn nutzen. Man muss die träge Masse nur in Bewegung bringen und vielleicht war der Kauf durch Facebook ja der nötige Anstoß. Wie seht ihr das? Werdet ihr Whatsapp auch weiterhin nutzen? oder kompromisslos Wechseln und den Whatsapp-Account deaktivieren? Wenn ja welchen Dienst werdet ihr benutzen?

Ein weiterer interessanter Artikel zum Thema:

http://www.netzpiloten.de/weg-von-whatsapp-der-beschwerliche-umstieg-auf-alternativen/

divia Gmbh

Über den Autor

Beiträge von Gastautoren oder ehemaligen divia Mitarbeitern