Jetzt mal ehrlich: Wer hatte sie noch nicht auf seinem Smartphone, diese Diät-Apps, welche einem vorschreiben wollen, was man zu essen hat? Oder diese Fitness-Apps, die einen täglich zu einer immer größeren Anzahl von Liegestützen oder Laufkilometern drängen?

Meistens wird die App nach wenigen Wochen wieder gelöscht, wenn die erste Motivation verflogen ist und man der bitteren Realität ins Auge blickt. Doch der Markt der Gesundheits-Apps boomt trotzdem. Die Apps sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn auch für die „Gesundheitsprofis“ wie Ärzte, Pfleger und Krankenhäuser wurden Konzepte entwickelt, in denen mobile Endgeräte sinnvoll genutzt werden können. All dies wird unter dem Begriff Mobile Health (mHealth) zusammengefasst. Dieses Thema werde ich in zwei Blogposts näher betrachten und einen Einblick in die Vorteile, Probleme und Zukunftsaussichten von mHealth geben.

Was ist Mobile Health?

 

Tablets im Krankenhaus? Aktuell noch eine Seltenheit.
Tablets im Krankenhaus? Aktuell noch eine Seltenheit. Quelle: istockphoto

Zuallererst ist es wichtig, den Begriff im Allgemeinen zu definieren. Grob gesagt, ist mHealth der Einsatz von Smartphone, Tablets und dazugehörigen Apps im Gesundheitswesen.

Dabei ist es allerdings sinnvoll, eine Unterscheidung zwischen Consumer Mobile Health und Professional Mobile Health vorzunehmen. Zu ersterem zählen die genannten Gesundheits-Apps, welche nur geringen Bestimmungen oder Kontrollen unterliegen.Die Endprodukte sind meist für den Patienten/Verbraucher bestimmt.

Die zweite Kategorie umfasst die Nutzung mobiler Endgeräte durch medizinisches Fachpersonal für den Gebrauch in Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen, z.B. zur mobilen Erfassung von Patientendaten.

Im ersten Teil meines Blogposts liegt der Fokus auf Consumer Mobile Health – sowie deren Möglichkeiten, Gefahren und Umsetzungsschwierigkeiten.

Consumer Mobile Health – Apps gibt es genug, …

43.000 Gesundheits-Applikationen sind aktuell weltweit auf dem Markt und 247 Mio. Menschen haben bereits eine App dieser Kategorie heruntergeladen. Die Anwendungen reichen von Ernährungstipps über Impferinnerungen oder Fitness-Apps bis hin zu Therapiekalendern. Die Bandbreite ist enorm. Hier sind ein paar Beispiele aufgeführt:

  • runtastic: 23 verschiedene Fitness-Apps, u.A. Push-Up-App, Jogging-App, Sit-Up-App. Fortschritte können in sozialen Netzwerken gepostet werden. Runtastic ermöglicht ein umfangreiches und anspruchsvolles Training und dient der Motivation mit täglichen Erinnerungen an das Training.
  • Fit for travel: App mit Länderinformationen bezüglich reisemedizinischer Vorbereitungen. Übersicht über benötigte Impfungen und spezifische Krankheiten.
  • Gesund & Fit: umfassende App zu den Themen Gesundheit, Fitness und Vorsorge. Tipps zur Behandlung von Krankheiten, Übersicht über Symptome, integrierte Arztsuche, Erste Hilfe-Tipps, u.v.m.
  • medpex Apotheke: Online-Apotheke mit über 120.000 verschiedenen Medikamenten. Übersicht über Kundenmeinungen, Dosierungen, Nebenwirkungen und Wirkstoffe

Doch wie es überall ist: Wo viele Anbieter auf dem Markt sind, mangelt es auch an Qualität. Viele Inhalte der Apps enthalten nur geringes medizinisches Wissen und könnten unter Umständen sogar gefährlich für die Gesundheit des Konsumenten werden, weil man sich dabei möglicherweise den notwendigen Gang zum Arzt spart.

Aufgrund dieser Problematik hat die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) einen Leitfaden veröffentlicht, welche „medical devices“ (technische Medizinprodukte) einer Zulassung bedürfen und welche nicht. Diese Handlungsempfehlung richtet sich an die Entwickler und Anbieter von medizinischen Apps. Allerdings ist nur ein verschwindend geringer Anteil der aktuellen Apps nach besagtem Leitfaden zulassungspflichtig. Auch deshalb wird sich der Markt in den nächsten Jahren zunehmend ausweiten, sowohl mit hochwertigen Inhalten als auch mit Trash-Produkten.

… aber bringen sie dem Nutzer auch einen Mehrwert?

Und damit kommen wir zur entscheidenden Frage: Bietet Consumer Mobile Health einen wirklichen Mehrwert für den Konsumenten bzw. das Gesundheitswesen? Konzentriert man sich auf die Apps, welche qualitativ hochwertig sind, kann man die Frage klar mit einem Ja beantworten.

Sie unterstützen ein besseres Selbstmanagement. Beispielsweise eine Fitness- und Ernährungs-App für übergewichtige Menschen, die Transparenz über die Essensmengen schafft und zur Bewegung motiviert.

Wirkliche Therapieansätze bieten solche Apps aber nicht. Die Nutzung einer App auf dem Smartphone ersetzt sicher nicht den Besuch beim Arzt, wie es sich einige Entwickler wünschen würden. Oftmals geht der Mehrwert nicht über allgemeine medizinische Informationen, Motivations- oder Organisationshilfen hinaus.

Wie also geht es weiter mit der Entwicklung der Consumer Mobile Health?

Ausblick - Wie kann man die Spreu vom Weizen trennen?

Der Markt der Gesundheits-Apps wird auch in naher Zukunft rasant wachsen. Hier liegt die Herausforderung vor allem darin, das Gute vom Schlechten zu trennen. Dies kann auf behördlichem Wege durch Zulassungen und Beschränkungen oder direkt von den Konsumenten über Bewertungsportale – natürlich immer unter dem Blickwinkel deren Manipulierbarkeit – geschehen.

Die Zielgruppe von Consumer Mobile Health bleibt vorerst die junge, gesundheits- und fitnessinteressierte Masse, welche präventiv gegen Krankheiten vorbeugen will. Die Generation 60+ ist meistens nicht technologieaffin genug, um sich mit dem Thema Smartphones oder anderen Mobile Devices auseinanderzusetzen. Doch genau bei dieser Zielgruppe müssten solche Apps in den medizinischen Alltag eingebunden werden. Für diese Menschen würde es einen echten Mehrwert schaffen, wenn sie nicht mehr den oftmals weiten Weg zum Hausarzt auf sich nehmen müssten, ihre Medikamente über eine Online-Apotheke bestellen könnten oder ihren Therapieplan auf einem Tablet einsehen könnten.

Consumer Mobile Health bietet also noch ein enormes Potenzial. Es wird interessant zu sehen sein, wie sich die Umsätze und die Akzeptanz rund um das Thema entwickeln. Das Ärzteblatt zumindest diagnostiziert, dass ca. 60% der Bundesbürger Gesundheits-Apps positiv gegenüber stehen. Aber nur wenn die Apps hohe Qualitätsstandards und Mehrwerte bieten, wird das auch so bleiben. Ansonsten wird der Markt zwar weiter wachsen und mancher auch Geld verdienen, aber der Sinn für das Gesundheitswesen darf durchaus in Frage gestellt werden.

Gerne würde ich auch Ihre Meinung zu diesem spannenden Thema hören. Welche Gesundheits-Apps haben Sie auf dem Handy und sehen Sie darin einen wirklichen medizinischen Nutzen?

Im zweiten Teil meines Blogposts gehe ich näher auf den Bereich der Professional Mobile Health ein um ein Gesamtfazit zum Thema mHealth zu ziehen.

> Zu Teil 2

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Beiträge von Gastautoren oder ehemaligen divia Mitarbeitern