divia Gmbh 26. Juli 2011

Unis bereit für Student 2.0?

Eigeninitiative, Selbstständigkeit und Organisationfähigkeit - das wird bei Studierenden schon immer als selbstverständlich vorausgesetzt und gilt für ein Studium als unerlässlich. Doch was das heutzutage bedeutet, ist nur noch schwer nachzuvollziehen. Denn die unbegrenzten Möglichkeiten des Internet führen dazu, dass sich Studenten ständig aus den unterschiedlichsten Plattformen die Informationen zusammensuchen müssen, die zu ihren Lehrveranstaltungen gehören. Da gibt es hochschuleigene Homepages, interne Download-Bereiche, dann die persönliche Seite des Professors, manchmal das Lernmanagement-System der Hochschule - wie moodle oder Ilias, sowie unzählige Quellen aus dem “weltweiten Internet”. Dazu kommt der persönliche Austausch über Sharing-Tools wie Googledocs, Dropbox sowie Updates über Facebook- bzw. StudiVZ-Gruppen ... unzählige Abrufmöglichkeiten müssen nahezu täglich abgearbeitet werden.

Die Geschwindigkeit und Intensität, mit der sich die Studenten heutzutage den Informationen stellen müssen, nimmt stetig zu. Das Internet und die zahlreichen Möglichkeiten des Web 2.0 beeinflussen allerdings nicht nur die Organisation des Studiums, sondern natürlich auch das Lern- und Leseverhalten. So bescheinigen Untersuchungen ein zunehmend oberflächliches Lesen und die Nachfrage nach “mundgerechten Häppchen”, sprich kurzen, leicht verständliche Übersichten. Am Besten liegen die gesuchten Informationen online als Präsentation oder kurzes Video bereit. Darauf scheinen die wenigsten Hochschulen vorbereitet.

Vielleicht liegt es daran, dass die Akzeptanz für die bestehenden digitalen Angebote der Hochschulen äußert gering zu sein scheint. Zwar fehlen aktuelle Zahlen, doch wie schon eine Studie von MMKH und HIS im Jahr 2008 belegte, schätzen nicht allzu viele der befragten Studenten den Einsatz von Lernplattformen wie Ilias, moodle, Blackboard etc. als nützlich ein. Aber ist es denn nicht eigentlich im Sinne der Studenten, eine einheitliche Plattform zur Verfügung zu haben, über die sie schnell und einfach Dokumente verteilen, Diskussionen eröffnen oder die neuesten Ankündigen erfahren können?

Natürlich ist es das. Leider ist jedoch jede Hochschule selbst für die Umsetzung von E-Learning oder anderen digitalen Angeboten zuständig. Das führt zum Einsatz unterschiedlicher, zumeist nicht standardisierter und teils auch wenig intuitiver Lernmanagement-Systeme. Da die meisten Hochschulen hierbei den einfachen Weg gehen und auf verschiedene kostenlose Open-Source-Lösungen zurückgreifen, kommt es zu unterschiedlichsten Lösungen, die wieder schwierig vereinbar scheinen. Standardisierungen bzw. ein einheitliche Basis für Studenten, “theorienahe” Unternehmen und verschiedenste Lehrstühle unterschiedlicher Universitäten bleiben Mangelware.
Es fehlt der übergeordnete Blick auf eine sich immer stärker vernetzende Bildungslandschaft an den Hochschulen. Eine Leistung, die vielleicht sogar nur Dritte in der Lage sein könnten zu leisten.

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