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Digitalisierung? Immer Ärger mit der Technik!

Geschrieben von Dr. Martin Reti | 5. März 2015

Wir waren so gut erzogen. Und dann hat uns die Digitalisierung wieder das Fluchen gelehrt: In blumig, derb, laut, leise, zähneknirschend. Meistens als "SCHEISSE!" oder heutzutage eher als erdig-knurriges: "Fuck!".


"Machen Sie mich nicht wütend": Digitalisierung macht Bruce Banner häufiger zum Hulk. Quelle: pixabay.com

Fluchen in digital

Womit wir wieder direkt in einer neuen Rubrik der digitalen Transformation angekommen wären. Eine Gesellschaft definiert sich nicht nur über die Dinge, die sie liest, wie sie konsumiert, welche Fortbewegungsmittel sie nutzt, welche Künstler sie schätzt und wo sie Urlaub macht, sondern auch worüber sie flucht. Auch wenn Ihnen dieses Moment bislang wahrscheinlich eher ungeläufig war.

Früher haben wir uns über (fehlendes) Geld aufgeregt, die Nachbarn, die Wohnung, das Hotel am Urlaubsort, Raucher und überhöhte Rechnungen. Und natürlich die Bahn. Heute, heute regen wir uns über vergessene Passwörter auf.

Technik schlimmer als die Polizei erlaubt

Das Informationsportal schlaubi.de hat etwa 1.900 Millenials/Gen Y-Vertreter zwischen 18 und 35 Jahren, die mit dem PC aufgewachsen sind, befragt, was sie denn aufregt. Und siehe da: Bei den alltäglichen Wutausbrüchen liegt heutzutage die Technik vor dem Ärger mit dem Partner (22 Prozent vs. 16 Prozent). Das kann natürlich auch damit zusammen hängen, dass man mittlerweile mehr Zeit mit Tablet, iPod und Smartphone verbringt als mit Menschen. Was andererseits auch ein guter Indikator dafür wäre, wie sich unsere Gesellschaft durch die Digitalisierung verändert hat. Quod erat digitalisandum, äh, demonstrandum.

Leader of the Pack: Vergessene Passwörter

 

Was uns beim Umgang mit der modernen Technik, die unser Leben so wunderbar erleichtert, am meisten umtreibt? Auf Platz 1 (mit 74 Prozent Zustimmung) stehen vergessene Passwörter bzw. Benutzernamen. Kein Wunder bei der epidemieartigen Vermehrung von Diensten, bei denen man einen User-Account benötigt. Facebook sei Dank müssen wir nun aber nicht immer unsere geheimen Listen konsultieren, sondern können auch mal auf Social Logins zurückgreifen.

Knapp dahinter (71 Prozent) steht das Scheiß-…, Verzeihung, das langsame Internet. Wenn's mal wieder länger dauert – diese Erfahrung haben offenbar schon mehr Nutzer als der Autor dieser Zeilen gemacht. Und Snickers damit dramatische Umsatzsprünge beschert. Dabei ist die Zeit des 16kbit-Modems noch gar nicht so lange dahin ;).

Greisenhafte Akkus ohne Stehvermögen, keuchhüstiger Handy-Empfang, abstürzende Apps, eingefrorene Touchscreens – eine Menagerie der digitalen Grausamkeiten bevölkert die Top-Ten-Liste. Und sorgt jeden Tag aufs Neue zuverlässig für erhöhten Blutdruck.

Schützen können Sie sich allenfalls vor der Nummer 10: der Autokorrektur, die eine Art Belehrungswütigkeit an den Tag legt, die wir seit den Lateinschulen des ausgehenden Mittelalters überwunden glaubten. Regelmäßig verwandelt sie passend zum Thema "schöne Grüße" in "Scheiß Genüsse". Beim Autor zumindest hat sie Hausverbot.

Die Liste der 10 häufigsten Technik-Ärgernisse

  1. Vergessene Passwörter/Benutzernamen - 74%
  2. Langsames Internet - 71%
  3. Schlechte Akku-Laufzeiten - 55%
  4. Schlechter Handy-Empfang - 41%
  5. Langsames Hochfahren/Laden von Dateien und Anwendungen - 38%
  6. Abstürzende/einfrierende Programme/Apps - 26%
  7. Probleme mit der WLAN-Verbindung - 19%
  8. Werbeanrufe/ E-Mail Spam - 17%
  9. Touchscreen reagiert nicht - 12%
  10. Autokorrektur/ automatische Texterkennung - 10%

Digitale Transformation – gut sichtbar im Rückblick

Spaß beiseite: Wir müssen wohl feststellen, dass wir uns in der Liste tatsächlich wiedererkennen. Und wer den Blick in das Jahr 1990 zurückwirft, den wird ein Gefühl der Glückseligkeit überkommen, da er sich über alle diese Unwägbarkeiten keine Gedanken machen musste. Digital – das waren höchstens unsere Uhren oder das letzte Album der Scorpions. Wir befinden uns mitten in der digitalen Transformation. Einspruch abgewiesen. Ob dafür diese Studie als Kronzeuge herangezogen werden muss, das dürfen Sie jedoch gerne in Frage stellen.

p.s.: Manches bleibt

Die Studie zeigt aber auch: Manches bleibt, wie es immer schon war. Über Verspätungen bei der Bahn regen sich immer noch 13 Prozent aller Befragten auf. Gut, dass auf manche Dinge Verlass ist.