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Verschläft Deutschland das Thema Elektromobilität?

Geschrieben von divia Gmbh | 26. Juli 2011

Deutschland soll Leitmarkt für Elektromobilität werden – steht dabei aber noch vor einigen Herausforderungen

Die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) hat sich zum Ziel gesetzt, Deutschland bis 2020 als führenden Anbieter und Leitmarkt für Elektromobilität zu etablieren. Dann sollen in Deutschland jährlich 1 Million Elektroautos das Fertigungsband in Richtung Konsument verlassen. Doch leider ist bisher noch nicht so ganz klar, wie dies erreicht werden soll.

Zum Einen verlangsamen - typisch deutsch - etliche Technologie-Roadmaps sowie akribische Planung die Prozesse deutlich. Zum Anderen sehen wir das übliche, zeitfressende und zumeist nervige politische Geplänkel. Zudem scheint es so, als würden nicht nur die Politiker, sondern vor allem auch die Hersteller dem deutschen Konsumenten und seiner elektromobilen Kauffreudigkeit noch nicht so ganz trauen. Daimler-Chef Zetsche sieht beispielsweise die Kaufsubventionierung als einzige Möglichkeit an, die angestrebten hohen Verkaufszahlen für Elektroautos zu erreichen - übrigens genauso wie Renate Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Und auch die NPE nimmt die Regierung in die Pflicht und postuliert, dass ohne entsprechende Anreizmaßnahmen die Anzahl der bis 2020 verkauften Elektrofahrzeuge 450.000 nicht übersteigen wird. Es bleibt allerdings fraglich, ob die Bundesregierung die Subventionsforderungen von NPE, Industrie und auch der Konsumenten übernimmt. Gerade eine direkte Subventionsmaßnahme (à la Abwrackprämie) - wie von Herrn Zetsche gefordert - scheint nur schwerlich mehrheitsfähig im Kabinett (siehe auch die letzten Aussagen von Herrn Ramsauer hierzu).

Die von der Regierung zugesagte Summe - eine Milliarde Euro - für die Förderung von Elektro- und Hybridautos, investiert diese lieber in Grundlagen-forschung als in verkaufsfördernde Maßnahmen. Deutschland soll so in der Entwicklung tragfähiger Batterietechniken weiter vorne mitspielen, respektive die Informations- und Kommunikations-technik im Auto maßgeblich mitbestimmen können. Und während sich Industrie und Regierung also irgendwie gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben und wir in Deutschland noch lange auf die ersten Serienautos warten müssen, steht das Thema Elektromobilität in anderen Ländern wie Frankreich nicht mehr nur auf dem Papier. Und weil wir in Deutschland nicht nur die Serienreife, sondern auch die entsprechende Infrastruktur an Aufladestationen verschlafen haben, werden wir die ersten serienreifen Elektroautos deutscher Hersteller erstmal nur im Ausland bewundern dürfen. So wird beispielsweise VW zunächst Elektroautos nur in Kooperation mit dem chinesischen Kooperationspartner First Automotive Works (FAW) in China anbieten und natürlich auch dort bauen lassen.

Der geneigte Konsument wird sich wohl zu Recht denken, dass das für eine Vorreiterrolle noch zu wenig ist und weiter geduldig warten müssen. Vielleicht bedarf es einfach mehr Mut, vielleicht aber auch mehr Regulierung, um schneller in eine nachhaltige Zukunft zu steuern. Zugegeben, eine recht grüne Ansicht, aber irgendwann will ich schließlich auch mal - wie die Amis heute schon - bei McDonalds stehen und die Worte sprechen können: “Einmal Big Mac und volltanken bitte!”.