Was zeichnet ein digitales Unternehmen aus? Ist digital gleich innovativ? Wie kann ein Unternehmen die eigene digitale Reife messen? Welche ersten Schritte für die Digitalisierung des eigenen Unternehmens sind grundsätzlich notwendig? Wo steht Deutschland in der Kategorie "Business Digitization" im EU-Länderranking? Dieser Blogbeitrag gibt Einblicke in diese Fragen.

Innovation auf Schwedisch

Nach Mexiko in 2018 präsentiert sich erstmals Schweden als Partnerland und globaler Hotspot für Industrie 4.0 auf der diesjährigen Hannover Messe, der Weltleitmesse der Industrie. Die werbende Botschaft Schwedens, als perfekter Partner in Sachen Digitalisierung, steht im Zeichen von Kollaboration und Synergie für Wissen und Erfahrung: "Innovate with us", "Explore with us", oder: "Hello, my name ist Sweden. Be creative with me“. Schweden nutzt die Hannover Messe mit insgesamt 160 Ausstellern des Landes als Bühne, um Innovationen für den Weltmarkt zu präsentieren, Lösungen für die Smart Industry vorzustellen und um eigene Netzwerke zu erweitern.

Die Erfolgsgeschichte von schwedischen Innovationen in der Industrie zeigt sich in den HM Platinum Partnern und Unternehmen wie ABB, SKF, Tetra Pak und Ericsson, die bis heute Vorreiter des industriell-wirtschaftlichen Erfolgs in Schweden sind.

Erfolgsgeschichte Schweden

Das international vergleichsweise sehr gute Wirtschaftsklima schafft ideale Bedingungen für die hohe schwedische Innovationsfreudigkeit, die sich in der nach wie vor führenden Rolle des HM-Partnerlandes in der Tech-Startup-Landschaft in ganz Europa zeigt. Die v.a. in Stockholm, aber auch in Malmö und Helsingborg ansässigen Startups und Tech-Unternehmen, wie Spotify, Skype, Klarna, iZettle, King, Soundcloud, truecaller oder Kind, geben mit einer Vielzahl an weiteren IT- und Hightech-Firmen die Grundlage für eine stolze Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar, im Rang direkt nach dem Silicon Valley. Der Global Sustainable Competitiveness Index sieht in Schweden sogar das weltweit wettbewerbsfähigste Land. Einheimische Organisationen und Innovations-Hubs wie Combient, Ignite Sweden und Swedish Incubators & Science Parks initiieren dabei den Startschuss für vielversprechende Kollaborationen von Startups und Industrie-Unternehmen.

Die digitale Transformation Schwedens ist dabei ein gesamtgesellschaftliches Unterfangen: Der nachhaltige Erfolg stützt sich auf die Zusammenarbeit von Regierung und Industrie, die die digitale Transformation planvoll voranbringen, indem sie sie als gesellschaftliche Aufgabe begreifen und entsprechend gestalten und fördern. Neben wirtschaftlichen und technischen Weichenstellungen, sowie expandierenden Partnernetzwerken wird der Faktor Mensch zentral behandelt: Eine Arbeitskultur in interdisziplinärer und internationaler Teamarbeit, ökologische Nachhaltigkeit, Geschlechtergerechtigkeit, frühe IT-Bildung, niedrige Korruptionsraten und ein gutes Sozialwesen sind angelegte Kriterien für alle Gesellschaftsbereiche, die gemeinsam und kollaborativ erfolgreich gelebt werden sollen und gelebt werden. Schwedens Rang im "Digital Economy and Society Index" (DESI, Erhebungen von Eurostat) in 2018 spricht für sich: Während Deutschland zum Vorjahr unverändert Platz 14 von 28 einnimmt, behauptet Schweden seinen Rang neben den Niederlanden, Finnland und Dänemark als eines der führenden digitalen Länder in Europa. Der DESI beinhaltet nicht nur Grad und Qualität der flächendeckenden Breitbandversorgung und den Entwicklungsstand von digitalen Technologien und öffentlichen Diensten, sondern auch den Stand der digitalen Bildung bzw. Kompetenz und den Internet-Nutzungsgrad der Bevölkerung als Indikatoren. 

 

 

Welche wesentlichen Kriterien zeichnen aber das digitale Geschäft aus? Im DESI werden fünf Punkte formuliert, die im Cluster "Business Digitization" einzelner EU-Länder subsumiert sind: Grad des elektronischen Informationsaustauschs, RFID-Nutzung, Einsatz von sozialen Medien, Cloud-Einsatz und Einsatz von elektronischen Rechnungen (eInvoices, Abb. 4). Die Scorebewertung für Deutschland im EU-Länderranking der Kategorie "Business Digitization" ist deutlich unter dem EU-Durchschnitt und erkennbar ausbaufähig; die Stärke Schwedens zeigt sich auch hier in den Top 5.

DESI - European Commission, Digital Scoreboard

European Commission, Digital Scoreboard

Digital gleich innovativ? – Nicht ohne Strategie.

Die Zukunft ist digital – davon braucht niemand mehr überzeugt werden, denn das verrät uns bereits die Gegenwart. Jedoch sollte keine neue Technologie ohne strategische und aktualisierte Abwägung verbindlichen Einzug in das Unternehmen nehmen. Die blinde Euphorie oder auch Panik gegenüber neuen digitalen Technologien und Arbeitsweisen macht niemanden innovativ oder zukunftsfähig. Eine Digitalisierungsstrategie hilft, konkrete und weitreichende Ziele und Maßnahmen strategischer Natur festzulegen. U.a. umfasst sie Themenkomplexe wie Kunden, Values, Wettbewerb, Daten und digitale (Fach-)Kompetenzen. Digitale Produkte und Dienstleistungen erfahren step by step eine Generalüberholung ihrer Wertschöpfung mit neuen Dimensionen von Vernetzung, Dezentralisierung und Dynamik. In Gestalt eines Papers ist die Digitalstrategie darüber hinaus nicht als rein statisch zu betrachten, sondern als Arbeitsinstrument zu verstehen, welches im Change Prozess in regelmäßigen Abständen aktualisiert und angepasst werden sollte, um die Innovationsfähigkeit nach innen wie nach außen zu bewahren.

Die Charakterisierung des digitalen Geschäfts durch DESI bietet eine Orientierung, die unter methodischen Maßstäben Ländervergleiche einfacher gestaltet. Mit Digitalität eines Unternehmens hingegen wird der Fortschritt der Digitalisierung im jeweiligen Unternehmen beschrieben und kann im sog. Digital Index Score vergleichbar abgebildet werden. Je nach Bewertungsziel und Definitionsumfang von Digitalität kann der Digital Index methodisch angepasst und um spezifische Indikatoren erweitert werden, wie z.B. Visibility des Unternehmens im Internet, technische Vielseitigkeit der Website, SEO-Qualität, Innovationsgrad des Business-Modells, Online-Werbeausgaben (Gentsch 2018), Daten- und Digitalkompetenz der Mitarbeitenden als auch Implementierung der Digitalstrategie mit Abfrage des messbaren Akzeptanzwertes in der Belegschaft (Abb. 3). Während nach diesen genannten Kriterien v.a. Startups als auch reife Unternehmen im Sektor E-Commerce einen hohen Digital-Index aufweisen, zeigt sich eine tendenziell gering ausgeprägte Digitalität bei traditionelleren Unternehmen oder Geschäftsbereichen. Das Wissen um den eigenen digitalen Reifegrad können Sie im Digital Analytics & Optimization Maturity Index (Bitkom) auf daomi.de im Self Assessment feststellen lassen. Das Ergebnis kann ebenfalls zur Ableitung von Handlungsempfehlungen im eigenen Fahrplan genutzt werden.

Beispiel-Indikatoren der Digital-Reife von Unternehmen (nach Gentsch 2018; eigene Darstellung)

Beispiel-Indikatoren der Digital-Reife von Unternehmen (nach Gentsch 2018; eigene Darstellung)

Customer Experience: Kundenbeziehungen im Wandel

Die neue Generation von Kunden, sog. Digital Natives steht nun im Fokus von Unternehmen. Deren Anspruchsdenken hat sich zur Kundengruppe davor, sehr verändert: Sie erwarten intuitive Self-Service-Angebote und umfassenden Kundenservice on-demand. Statt passiv auf neue Produkte und Dienstleistungen zu warten, beteiligen sie sich proaktiv an Innovationen auf ihrem Weg zur Marktreife und schaffen Werte im gestalterischen Prozess (Customer Centered Innovation) – User Experience, Prosumenten und Design Thinking sind längst keine neuen Vokabeln mehr. Das Mindset der Kunden ist Teilen statt Besitzen (Co-Konsum), Mitbestimmen und Individualisieren nach eigenen Bedürfnissen. Digitale Dienstleistungen und Produkte richten sich zunehmend an die Erwartungen und Bedürfnisse der Digital Natives aus. Jede Digitalisierungstrategie fokussiert diese neuen Kundenbeziehungen und bindet entsprechende Maßnahmen, wie etwa die, zur Kundenansprache ein. Darüber hinaus sind Antworten auf grundsätzliche Fragen maßgeblich: Wer ist mein Kunde heute? Welche Berührungspunkte mit meinen Kunden habe ich oder benötige ich, in welcher Form, digital gestaltet? Sind die Kundenbedürfnisse hinlänglich bekannt und werden sie verstanden? Welche entsprechenden Daten liegen vor und wird mit ihnen wie gearbeitet? Welche digitalen Kompetenzen sind vorhanden, welche sollten aufgebaut oder eingekauft werden? V.a. viele mittelständische Unternehmen haben diese Fragen noch nicht hinreichend und konzeptuell erforscht. Als Marketingberatung mit klarem Fokus auf digitale Märkte und Methoden laden wir Sie herzlich ein, mit uns über das digitale Marketing Ihres Unternehmens zu sprechen.

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Sie waren ebenso auf der HANNOVER MESSE 2019 oder hatten vor diese zu besuchen? Wir ziehen in diesem Blogbeitrag ein Fazit und stellen Ihnen in einem kurzen Video unsere Messe-KI-Highlights vor.

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Beiträge von Gastautoren oder ehemaligen divia Mitarbeitern